„Was soll man vor so vielen Frauen predigen?“

Neupriester Josef Hausner in St. Quirin: Wo sich Christen versammeln, wird die Welt friedlicher und solidarischer

St Quirinfest 2010 Freitag

Mehr als 600 Besucherinnen aus 39 Zweigvereinen des katholischen Frauenbundes füllten das Wallfahrtskirchlein St. Quirin. Bild: kad

Ilsenbach. (kad) Bierbänke mussten zusätzlich in die Wallfahrtskirche St. Quirin gestellt werden, um den mehr als 600 Besuchern des Gottesdienstes Platz zu bieten. Nur wenige Männer saßen am Freitagabend in den Kirchenbänken. Kein Wunder, schließlich war es die Wallfahrt der Katholischen Frauenbünde aus der Region, die mit dieser Feier ihren Abschluss fand. Insgesamt 39 Zweigvereine nahmen teil.

Regen trommelte aufs Dach der Wallfahrtskirche, während ein „Ave Maria“ aus den vielen Mündern klang. Es war, als ob die Natur nach der langen Hitze aufatmet. Und genauso schienen die Wallfahrerinnen im Kirchlein zu empfinden. Erwartungsvolle Stille herrschte kurz vor Beginn des Gottesdienstes. Vorher hatten die Frauen gebetet, gesungen und die Jungfrau Maria angerufen.

Hausherr Pfarrer Manfred Wundlechner freute sich über das gefüllte Gotteshaus. „Wer glaubt, ist nie allein. Und es ist immer wieder schön, wenn die Kirche so voll ist, wenn so viele lebendige Bausteine zum Gottesdienst hierher kommen.“

„Was soll man vor so vielen Frauen predigen?“, fragte der aus Parkstein stammende Josef Hausner. „Ich kann doch nicht sagen: Grüß Gott, ich bin der Hausner-Josef, bin vor einigen Tagen erst Priester geworden, habe mich also für Gott entschieden und nicht für die Frauen.“ Aber natürlich wusste er genau, über was er predigen wollte: über die großen heiligen Frauen der Christenheit, über die Schwestern Martha und Maria, über die Märtyrerin Margaretha, über Maria Magdalena, die als erste den Auferstandenen sehen durfte, über die Ordensgründerin Brigitta von Schweden und – natürlich – über Maria, die Mutter Jesu.

Quintessenz der atemlos verfolgten Predigt war, dass alle Menschen heilsbedürftig sind, dass beim Christsein manchmal schwere Lasten getragen werden müssen. Aber auch, dass dort, wo sich Christen versammeln, die Welt friedlicher und solidarischer wird.

„Danken wir dem Herrn für die starke weibliche Seite an unserer Kirche, ohne die die Kirche schon lange an Lebendigkeit verloren hätte“, betonte der Geistliche die Rolle, die Frauen in der Gemeinde spielen.

Leise Kritik sprach aus der Fürbitte für bestimmte Medien. Diese seien aufgefordert, mehr als bisher die Würde der Frauen zu achten.

Quelle: Der Neue Tag, Dienstag 27. Juli 2010

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