Frieden ist mehr als schweigende Waffen

Militärpfarrer Norbert Sauer spricht Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr in St. Quirin unverblübt als Krieg an

Kriegerwallfahrt

Der Konflikt in Afghanistan lag bedrückend über der Quirin-Wallfahrt der Krieger- und Soldatenkameradschaften aus dem ganzen Landkreis. Bild: kad

Ilsenbach. (kad) Er hat im April den in Afghanistan von Taliban getöteten Stabsunteroffizier Josef Kronawitter aus Untergriesbach mit zu Grabe getragen. Er stand hilflos weinenden Müttern gegenüber. Er hat Verzweiflung und Angst in den Augen von Bundeswehrsoldaten am Hindukusch gesehen.

„Der Preis für den Dienst am Frieden kann hoch, verdammt hoch sein“, sagte Militärpfarrer Norbert Sauer aus Bogen mit spürbarer Bitternis in der Stimme, als er zur Wallfahrt der Krieger- und Soldatenkameradschaften am Samstag in St. Quirin predigte. Kameradschaften aus dem ganzen Landkreis waren, begleitet von flotter Marschmusik der „Neuhauser Boum“, nach St. Quirin gepilgert. Seit 1997 ist diese Wallfahrt Tradition.

Diesmal lastete sie schwer. Militärseelsorger Sauer beließ es nicht beim Schildern der Schrecken eines Krieges. Sein zentrales Predigtwort hieß „Frieden“. „Niemand weiß besser als unsere Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr, wie wichtig Frieden ist.“ Es sei eine große Gnade, dass seit Mai 1945 Frieden im Land herrsche, dass die deutsche Wiedervereinigung vor 20 Jahren gewaltlos verlief. „Wir mussten aber auch erleben, dass neue Konflikte entstanden – auf dem Balkan, in der ehemaligen Sowjetunion, im Sudan, in Somalia.“ Es seien Bürgerkriege und eine neue Kriegsform, die die Welt heute erschüttern – der religiös-fundamentalistische Terrorismus.

„Die Konflikte sind anders geworden, die Forderung bleibt aber gleich: Frieden schaffen und bewahren. Das ist verbunden mit Gefahr für Leben und Gesundheit unserer Soldaten. Sie erfahren und erleben Krieg. Wir haben inzwischen 43 Tote und viele Schwerstverletzte durch den Konflikt in Afghanistan.“ Manche Verwundung des Körpers lasse sich ja heilen, sagte der Geistliche, aber die seelischen Wundmale äußerten sich oft schleichend.

„Wir erwarten, dass diejenigen, die unsere Soldaten nach Afghanistan schicken, uns sagen, warum und mit welchem Ziel. Die Soldaten erwarten, dass diejenigen, die sie in diese Kämpfe schicken, hinter ihnen stehen“, forderte Sauer mit Blick auf die Politiker.

Wenn die Waffen schweigen, bedeute das noch lange keinen echten Frieden. Für dauerhaften und umfassenden Frieden brauche es Fundamente, die in der Bibel klar genannt werden: Gerechtigkeit, Freiheit und Respekt vor der Würde jedes Menschen. Zwar seien mit dem Völkerrecht, dem Grundgesetz, den Menschenrechten Friedensgrundlagen geschaffen. Diese reichten aber offenbar nicht aus. „Jesus meint Frieden, der von innen kommt. Der Frieden im Großen beginnt im Kleinen, im Herzen der Menschen.“

Quelle: Der Neue Tag, Donnerstag 29. Juli 2010

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